Wie immer wurde das Ziel der Fahrt vorher nicht verraten. Über 100 Teilnehmer machten sich mit einem Oldtimer- und einem Party-Bus sowie traktorgezogenen Planwägen auf den Weg von Mendig, Nickenich und Kruft in Richtung des noch unbekannten Ziels.
In Wehr warteten schon Bürgermeister Johannes Bell und Gästeführer Konrad Friedgen auf die Gäste. Johannes Bell freute sich besonders über die Teilnahme aller Bürgermeister der Arbeitsgemeinschaft „Nacht der Vulkane“ – Bügermeister Sebastian Busch und Ortsbürgermeister Detlev Leersch von der Pellenz und Bürgermeister Jörg Lempertz und Stadtbürgermeister Achim Grün aus Mendig. Nach einer kurzen Begrüßung ging es schon zu den drei „Wehrer Schätzen“. Es war sehr interessant, was Gästeführer-Urgestein Konrad Friedgen alles zu berichten wusste.
Erster Halt war der barocke Pfarrgarten. Die zwischenzeitlich vom Wehrer Brauchtums- und Verschönerungsverein gepflegte 3.000 Quadratmeter große, von einer drei Meter hohen Mauer aus Wehrer Tuffstein eingefriedete Pfarrgarten, gehörte zur Prämonstenserpropstei des Klosteres Steinfeld. Das wohl milde Gartenklima von Wehr scheint die Pflanzen besonders gut gedeihen zu lassen und rief die Bewunderung der Teilnehmer hervor.
Dann ging es in die direkt nebenan liegende barocke Pfarrkirche St. Potentinus. Die sehenswerte Kirche wurde 1230 erbaut und im 18. Jahrhundert um ein größeres Mittelschiff erweitert. Die Steinfelder Mönche statteten die Kirche mit einer Überfülle barocker Pracht aus. Drei mächtige Altäre mit einer Vielzahl von Heiligenfiguren, Engeln und Putten sowie barockem Dekor beherrschen den Raum. Und verteilt über Altäre und Seitenwände stehen in Lebensgröße, aus Lindenholz geschnitzt, alle zwölf Apostel, ausgeführt in elitärer Schnitzkunst in lebhaften Gebärden naturgetreu dargestellt bis ins Detail. Auch einer der Teilnehmer konnte noch etwas beitragen. Werner Geilen konnte berichten, dass er vor einigen Jahren die Stufen einer basaltsteinernen Treppe in der Kirche eingebaut hat.
Zum Abschluss ging es in die Kellerei – das geschichtsträchtigste Bauwerk Wehrs. Einst umschloss eine (teils erhaltene) Mauer den ganzen Hofbezirk: Wohnhaus, Scheune und Stallungen, Schuppen, zwei Mühlen, Schmiede, Back- und Brauhaus, riesige Gärten und vermutlich einen Teil des Wingerts. Natürlich lagen auch die Hofkapelle (spätere Pfarrkirche) und der zugehörige Friedhof in dem Hofbering. Insgesamt wurde eine Fläche von rund vier Hektar von dieser Mauer umschlossen!
In Wehr drehte sich weit über 1.300 Jahre alles um diese Steinfelder Kellnerey, von der auch der größte Teil der Ackerflur bewirtschaftet wurde. Hier wohnte der Kellner als Stellvertreter des Abtes, hier tagte viermal im Jahr das Gericht, von hier kamen alle Anordnungen für die Untertanen. Durch ihre Geräumigkeit und ihre wehrhaften Mauern diente die Kellnerey in Kriegs- und Unruhezeiten, und wenn marodierende Banden oder Truppenteile das Dorf bedrohten, als Flucht- und Schutzburg.
Vielen „Blaumachern“ waren die drei kulturellen Schätze in Wehr überhaupt nicht bekannt und die Teilnehmer äußerten sich alle sehr positiv über die Kleinode in der unmittelbaren Nachbarschaft.
Und natürlich ging es danach zum gemütlichen Teil über. Im wunderbaren Ambiente des Gewölbekellers und des Innenhofes der Kellerei gab es gut gekühltem Gerstensaft und der Lindenwirt tischte Krustenbraten mit Bratkartoffeln und Krautsalat auf, die die „Hauptdarsteller“ des Abends waren.
